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Fellpflege im Fellwechsel – Tipps für Hund & Katze

✍️ Marco Lanzinger 📅 15. April 2026 🔄 Aktualisiert: 16. April 2026 ⏱️ 7 Min. Lesezeit

Zweimal im Jahr ist es soweit: Haare, Haare, Haare – auf dem Sofa, auf der Kleidung, im Essen. Der Fellwechsel ist für viele Tierhalter eine nervenaufreibende Zeit. Doch wer weiß, wie er seinem Tier dabei richtig hilft, kommt nicht nur entspannter durch die Saison, sondern tut auch etwas Gutes für die Gesundheit seines Vierbeiners.


Was ist der Fellwechsel und warum findet er statt?

Der Fellwechsel – auch Mauser genannt – ist ein natürlicher biologischer Prozess, bei dem das alte Fell abgestoßen und durch neues ersetzt wird. Ausgelöst wird er hauptsächlich durch veränderte Tageslichtlänge und Temperatur.

Bei den meisten Hunden und Katzen gibt es zwei Fellwechsel pro Jahr:

  • Frühjahr: Das dicke Winterfell wird abgestoßen, ein leichteres Sommerfell wächst nach
  • Herbst: Das Sommerfell weicht dem wärmenden Winterfell

Die Intensität des Fellwechsels hängt von Rasse, Alter, Gesundheitszustand und Haltungsbedingungen ab. Reine Wohnungstiere, die wenig Tageslichtveränderungen ausgesetzt sind, können das ganze Jahr über gleichmäßig haaren – ohne ausgeprägte Fellwechselphasen.


Warum ist Pflege während des Fellwechsels so wichtig?

Ohne regelmäßige Pflege können sich abgestorbene Haare im Unterfell verfilzen und Matten bilden. Das ist nicht nur unschön, sondern kann auch:

  • die Haut stauen und zu Entzündungen führen
  • den natürlichen Luftaustausch der Haut behindern
  • bei Katzen zu vermehrtem Haarverschlucken und Haarballen führen
  • bei Hunden unangenehmen Geruch verursachen

Regelmäßiges Bürsten beschleunigt den Fellwechsel, entfernt abgestorbene Haare kontrolliert und fördert die Durchblutung der Haut – was wiederum das Nachwachsen des neuen Fells begünstigt.


Fellpflege beim Hund im Fellwechsel

Das richtige Werkzeug

Nicht jede Bürste ist für jeden Hund geeignet. Die Wahl des richtigen Pflegewerkzeugs hängt vom Felltyp ab:

Kurzhaariger Hund (z. B. Boxer, Dalmatiner, Dobermann)

  • Gummistriegel oder Gummibürste – löst abgestorbene Haare sanft und massiert die Haut
  • Wildledertuch zum Nachpolieren für einen glänzenden Look

Mittellanger Hund (z. B. Labrador, Golden Retriever, Schäferhund)

  • Undercoat-Rake oder Unterfellbürste – erreicht das dichte Unterfell
  • Slicker-Bürste für die Oberfläche
  • Furminator oder ähnliche Enthaarungswerkzeuge für intensive Pflege

Langhaariger Hund (z. B. Collie, Berner Sennenhund, Afghanischer Windhund)

  • Grobe Metallkamm-Kombination für das Entwirren
  • Slicker-Bürste für das Oberfell
  • Entwirrungsspray bei starker Verfilzung

Lockiger oder gewellter Hund (z. B. Pudel, Labradoodle)

  • Spezielle Locken- oder Paddelbürste
  • Regelmäßiges Scheren ist oft unumgänglich

Wie oft bürsten?

Während des Fellwechsels gilt: so oft wie möglich. Als Faustregel:

  • Kurzhaar: mindestens 2–3 Mal pro Woche
  • Mittellang und Langhaar: täglich oder jeden zweiten Tag
  • Lockig: täglich, um Verfilzungen zu verhindern

Schritt-für-Schritt: Hund richtig bürsten

1. Fell auf Verfilzungen prüfen Taste das Fell durch und löse kleinere Verfilzungen mit den Fingern oder einem Entwirrer, bevor du mit der Bürste beginnst.

2. Mit dem Unterfell beginnen Beim Hund mit dichtem Unterfell zunächst mit dem Undercoat-Rake gegen die Haarwuchsrichtung bürsten, um das lose Unterfell zu lösen.

3. In Haarwuchsrichtung bürsten Anschließend mit der Slicker-Bürste in Wuchsrichtung bürsten – vom Kopf über den Rücken bis zur Rute.

4. Empfindliche Stellen behutsam behandeln Bauch, Achselhöhlen, Ohren und zwischen den Zehen sind besonders sensibel – hier sanft und mit kleinen Bewegungen vorgehen.

5. Abschließend kämmen Ein Metallkamm zeigt, ob noch lose Haare oder Verfilzungen vorhanden sind. Läuft er glatt durch, ist die Pflege vollständig.

Baden während des Fellwechsels

Ein Bad kann den Fellwechsel unterstützen – warmes Wasser löst abgestorbene Haare und macht das anschließende Bürsten effektiver. Wichtig dabei:

  • Nur spezielles Hundeshampoo verwenden
  • Hund gründlich ausspülen – Shampoorückstände reizen die Haut
  • Nach dem Baden gut trocknen – besonders bei langen Haaren und kaltem Wetter
  • Föhnen auf niedriger Stufe ist möglich, aber nie zu heiß

Fellpflege bei der Katze im Fellwechsel

Katzen pflegen sich selbst – aber nicht immer ausreichend

Katzen sind bekannt für ihre akribische Selbstpflege. Doch gerade im Fellwechsel stoßen sie dabei an ihre Grenzen. Sie schlucken beim Putzen enorme Mengen loser Haare – was zu Haarballen im Magen führen kann. Im schlimmsten Fall können diese Haarballen den Darm blockieren und tierärztliche Behandlung erfordern.

Regelmäßiges Bürsten durch den Halter reduziert die Menge der verschluckten Haare erheblich.

Das richtige Werkzeug für Katzen

Kurzhaarige Katzen (z. B. Europäisch Kurzhaar, Siamkatze)

  • Gummibürste oder Gummihandschuh – löst sanft abgestorbene Haare
  • Feiner Flohkamm zur Kontrolle

Halblanghaarige Katzen (z. B. Maine Coon, Norwegische Waldkatze)

  • Grober Metallkamm zum Entwirren
  • Slicker-Bürste für das Oberfell
  • Undercoat-Rake für das dichte Unterfell

Langhaarige Katzen (z. B. Perser, Ragdoll)

  • Tägliche Pflege mit grobem und feinem Kamm unbedingt notwendig
  • Entwirrungs­spray bei Verfilzungen
  • Professionelles Grooming alle paar Monate empfehlenswert

Wie oft Katzen bürsten?

  • Kurzhaar: 1–2 Mal pro Woche, im Fellwechsel täglich
  • Halblanghaar: 2–3 Mal pro Woche, im Fellwechsel täglich
  • Langhaar: täglich, das ganze Jahr über

Haarballen vorbeugen

Neben regelmäßigem Bürsten gibt es weitere Maßnahmen gegen Haarballen:

  • Haarballenpasten aus der Apotheke oder Tierhandlung unterstützen den Transport der Haare durch den Darm
  • Spezielle Haarball-Futtersorten enthalten erhöhte Ballaststoffanteile, die die Darmpassage erleichtern
  • Katzengras hilft vielen Katzen, Haare auf natürlichem Weg zu erbrechen oder auszuscheiden
  • Ausreichend Wasser unterstützt die Verdauung generell

Ernährung als Unterstützung im Fellwechsel

Was das Tier frisst, zeigt sich auch im Fell. Eine ausgewogene, hochwertige Ernährung ist die Basis für ein gesundes, glänzendes Fell. Bestimmte Nährstoffe sind dabei besonders wichtig:

Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren Unterstützen die Hautgesundheit, reduzieren Entzündungen und sorgen für ein glänzendes Fell. Gute Quellen sind Lachsöl, Leinöl und fetter Seefisch.

Biotin (Vitamin B7) Fördert das Haarwachstum und stärkt die Haarstruktur. Enthalten in Eiern, Leber und bestimmten Gemüsesorten.

Zink Unterstützt die Hautregeneration und ist wichtig für ein gesundes Haarwachstum. Bei Zinkmangel kann das Fell stumpf und spröde werden.

Hochwertiges Protein Haare bestehen hauptsächlich aus Keratin – einem Protein. Eine ausreichende Proteinversorgung ist daher essenziell für gesundes Fellwachstum.

Nahrungsergänzungsmittel speziell für Fell und Haut sind in Tierhandlungen erhältlich und können den Fellwechsel positiv beeinflussen – am besten nach Rücksprache mit dem Tierarzt.


Die Wohnung im Fellwechsel im Griff behalten

Kein Ratgeber über den Fellwechsel wäre vollständig ohne praktische Tipps für den Haushalt:

  • Hochwertige Tierhaar-Staubsauger mit speziellen Bürsten machen die Hausarbeit deutlich leichter
  • Waschbare Decken und Bezüge auf Sofa und Bett schützen die Möbel
  • Kleidungsroller sollte in jedem Tierhaushalt griffbereit sein
  • Luftreiniger mit HEPA-Filter reduzieren schwebende Tierhaare in der Luft – besonders hilfreich für Allergiker
  • Antistatische Sprays für Textilien verhindern, dass Haare so stark haften

Wann ist starkes Haaren ein Warnsignal?

Nicht jedes intensive Haaren ist auf den normalen Fellwechsel zurückzuführen. Folgende Anzeichen sollten tierärztlich abgeklärt werden:

  • Kahle Stellen oder kreisrunder Haarausfall
  • Gerötete, schuppige oder juckende Haut
  • Starkes Kratzen oder Beißen ins Fell
  • Stumpfes, brüchiges oder glanzloses Fell außerhalb des Fellwechsels
  • Haarausfall verbunden mit anderen Symptomen wie Gewichtsverlust oder Lethargie

Diese Symptome können auf Allergien, Parasitenbefall, Hormonstörungen, Pilzinfektionen oder Mangelernährung hinweisen – und sollten nicht ignoriert werden.


Fazit

Der Fellwechsel ist eine intensive, aber völlig natürliche Phase im Leben von Hund und Katze. Mit dem richtigen Werkzeug, regelmäßiger Pflegeroutine und einer guten Ernährung lässt sich die Zeit deutlich entspannter gestalten – für Tier und Halter. Wer seinen Vierbeiner dabei liebevoll unterstützt, stärkt gleichzeitig die Bindung und bekommt früh mit, wenn etwas nicht stimmt. Und das Beste: Nach dem Fellwechsel glänzt das neue Fell wie frisch poliert.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung.

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